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Tod durch Ladepause: Little Big Planet 3 im Test

18. November 2014 Keine Kommentare

Na sowas: Der Star der kreativen Jump´n´Run-Wundertüte „Little Big Planet 3″ heißt gar nicht Sackboy. Hatte das bisher so verinnerlicht und überall  so gelesen. Stimmt aber nicht. In der deutschen Version trägt der Kerl alle möglichen lustigen Namen: Wollkopf. Sackjunge. Stoffknäuel. Fehlt noch Sackgesicht.

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Einige Male fordern Bossgegner zum Duell. Die Kämpfe gliedern sich in mehrere Etappen, sind hübsch inszeniert und fordern schnelle Reaktion. Gemeistert hat man sie binnen weniger Minuten. (Foto: Richy)

In nenne den kleinen Kerl gerne Sackbub. Ist liebevoll gemeint, obwohl mir das Game weniger Spaß gemacht hat als gedacht. Die fidele Musik und die fröhlich wippende Dekoration im Bildhintergrund strahlen gute Laune aus, konnten mich aber nicht mit Spaß anstecken. Warum? Eine persönliche Sache: Allergie gegen Ladepausen und vergleichbar unartige Spielunterbrechungen. „Little Big Planet 3″ lädt nun aber ständig nach. Unterbricht manchmal sogar Dialogszenen, einfach so. In einem Moment erläutert Bösewicht Newton seine Sicht der Dinge – im nächsten Augenblick, mitten im Satz poppt ein weißer Ladebildschirm auf und reißt mich aus der Traumwelt heraus. Schade.

Wer mehr über die Neuerungen im Baukasten, die Qualitäten des 16-Ebenen-Gameplay oder den Sinn der Popit-Rätsel erfahren möchte, erfährt mehr in meinem Komplettvers für  T-Online Spiele. Ein Ausschnitt daraus:

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Per D-Pad kann ich die Mundwinkel jederzeit nach unten und oben verschieben. Ich steh auf so kleine Details! (Foto: Richy)

Genau der richtige Gute-Laune-Spaß für kalte Winterabende: Mit einfallsreichem Jump´n´Run-Gameplay, unterhaltsamen Mehrspieler-Ideen und einem großartigen Kreativbaukasten wird „Little Big Planet 3“ junge und junggebliebene Gamer über Monate begeistern. Sie benötigen nur ein PS3 oder PS4 und die Bereitschaft, sich in die komplexe Materie einzuarbeiten. Etwas Nachsicht mit lästigen Ladepausen wäre ebenfalls hilfreich.

Sack-Bub zur Rettung!
Der Held der Welt ist kein Unbekannter: Es handelt sich um einen knuffigen kleinen Kerl mit einem Körper aus Sackleinen. Nennen wir ihn Sack-Bub. Er hat uns im Rahmen der „Little Big Planet“-Reihe schon viel Spaß gemacht. Mit treuen Knopfaugen und einem Körper aus Garn spielt er sich erneut vom ersten Augenblick in dein Herz. Am liebsten möchte man Sack-Bub aus der PlayStation schälen und knuddeln bis die Nähte platzen.

Im Rahmen der Singleplayer-Kampagne eilt Sack-Bub zur Rettung, da die Fantasiewelt Bunkum in Gefahr schwebt. Ein Tunichtgut namens Newton treibt Schabernack, setzt Titanen frei und tut dergleichen Unleidiges. Also läuft Sack-Bub durch kunterbunte Kulissen und sucht nach Rettung. Er hopst über Schluchten, hängt sich an Pendel, passt schwebende Plattformen ab und überwindet Hindernisse per Katapultsprung.

Das Ganze als 2D-Jump’n’Run bezeichnen, das wäre als nenne man die PS4 ein Spielzeug. Stimmt zwar, wird aber der Sache nicht gerecht. Es steckt mehr dahinter. Drei etwas größere Verteilerwelten bzw. HUBs dienen als Ausgangsbasis. Über Tore sind geradlinige Levels von je etwa 15 Minuten Dauer erreichbar. Die Aufgaben dort reichen von reaktionsschnellen Hüpfereien über knifflige Physik-Puzzles bis hin zu Endgegner-Kämpfen. Gerne und oft wird alles miteinander und mit vielen weiteren Gags kombiniert.

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Fröhlich wippt die Karnickeldame, die Grafik ist schon erste Sahne! (Foto: Richy)

Grundsätzlich ist es des Sackbubens Aufgabe, dass er drei Mitstreiter bzw. Co-Helden befreit – pro Verteilerwelt einen. Sobald dies gelingt, übernimmt einer der drei Unterstützer gelegentlich anstelle vom Sackbuben die Heldenrolle: Oddsock legt flotte Sprints hin, rennt die Wände hoch und springt von Wand zu Wand. Die Figur namens Toggle wechselt per L1-Taste zwischen kleiner und großer Gestalt. Der große Toogle aktiviert gewichtsabhängige Schalter, der kleine lässt sich in die Höhe katapultieren. Last not least die Vogeldame Swoop. Sie trägt Objekte von A nach B.

Die unterschiedlichen Eigenschaften der Figuren bringen willkommene Tempovariationen mit sich. Wenn Oddsock und der kleine Toggle loslegen, fühlt sich das ein bisschen an wie in Sonics besten Zeiten. Sack-Bub selbst wiederum entwickelt Ähnlichkeiten mit Nintendos Mario. Indem er sich Saugkanone, Schlitterausrüstung und Teleporterfähigkeiten aneignet, öffnet sich ihm die Welt.

Hübsch sind sie inszeniert, die Urwaldgärten, Rock´n´Roll-Studios und Russland-Besuche. Überall beleben wippende Figuren, blinkende Neonzeichen und andere Details das Bild. Soweit so schön. Aber es fehlt an Geschmeidigkeit. Eine Bildwiederholrate von 30 Frames geht für die Szenen starring Sack-Bub zwar in Ordnung. Für die schnellen Momente mit Oddsock und dem kleinen Toggle wären aber 60 Frames angemessen gewesen. Außerdem fallen Softwarefehler auf. Das uns vorliegende PS4-Muster enthielt uns nach dem Sieg gegen Bossgegner zweimal die Siegesfeier vor. Außerdem waren in der Benutzeroberfläche Grafikfehler zu sehen. Man darf davon ausgehen, dass Sony die Fehler behebt und patcht. Wir empfehlen daher das Update der Spielsoftware sofort nach dem ersten Einlegen der Disk.

 

Was wir mögen
„Little Big Planet 3″ lebt von tonnenweise Freispielkram, Eigenbaulevels, Zierstickern, Geheimkammern und Ähnlichem. Besitzer der zwei Vorgängerspiele können vorhandene Kostüme und andere Extras nach Teil Drei importieren. Sehr schön auch der Multiplayer-Modus. Bis zu vier Freunde spielen online oder an einer Konsole miteinander.

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Leider verderben Ladepausen und ein paar Bugs den Spaß. Das Auswahlwenü beispielsweise sieht gelegentlich aus wie in der linken Bildhälfte. So wie rechts sollte es aussehen. (Foto: Richy)

Was wir nicht mögen
So richtig viel Substanz hat die Kernkampagne nicht: Wer Bösewicht Newton im Eiltempo besiegen möchte, sprintet binnen zweier Abende durch. Technisch macht das Spiel einen durchwachsenen Eindruck. Unattraktive Ladebildschirme reißen einen manchmal sehr unvermittelt aus der Fantasiewelt heraus. Gelegentlich verschluckt sich das Spiel, bevor es auf Controllerkommandos reagiert. Das beeinflusst Spielgefühl und Timing negativ.

Fazit
Ob man allein durch die kunterbunte Welt turnt oder sich gemeinsam mit bis zu drei Online- oder Lokal-Mitspielern den Reaktionstests, Schalter- und Physikrätseln widmet: egal. „Little Big Planet 3“ schüttet ein Füllhorn an Glücksgefühlen aus und macht nach Abschluss der Kampagne heiter weiter: Mit dem Baukasten kann man sich monatelang befassen. Etwas Geduld und Toleranz ist allerdings zu empfehlen. Denn Ladepausen, niedrige Bildwiederholrate und – manchmal – verzögerte Controller-Reaktionen stören den Spielfluss spürbar.



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