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Zwischen Frust und Freiheit: The Crew im Test

3. Dezember 2014 Keine Kommentare

„Egal wie scheiße du ein Spiel findest: Immer schön objektiv bleiben und an den Leser denken“, das hat mir Michael Labiner vor vielen Jahren eingetrichtert, während meiner ersten Wochen beim Joker Verlag. Dem Folge leisten wenn ich über ein Game schreibe, das fällt mir sonst leicht. Aber diesmal… gott, ist „the Crew“  unfair! Diese sogenannte Unterhaltungs-Software namens hat mich  mehr Nerven gekostet als hat alle Bugs in Assassin´s Creed Unity, Alien Isolation und Little Big Planet 3  zusammen. Obwohl Rennspiel, ist´s so gar nicht meins. Habe den Openworldracer aus beruflichem Interesse trotzdem zwei volle Tage gespielt und meine Eindrücke für T-Online Spiele zusammengefasst.  Der wichtigste Satz aus meinem Text ist vielleicht dieser: Mensch und Computergegner kämpfen mit ungleichen Waffen. Ich hasse so etwas, besonders bei Rennspielen.

Es folgen ein paar Auszüge aus meinem Text. Zum kompletten Vers geht´s hier.

Es hätte so schön sein können: Ein Openworld-Arcaderacer, der dir die USA auf PC, PS4, Xbox 360 und Xbox One zu Füßen legt. Ein offener Spielplatz, die große Freiheit für abenteuerlustige Autonarren. Gemeinsam mit Freunden schnittige Sportautos durch glitzernde Metropolen und faszinierende Landschaften lenken. Leider leistet sich Ubisofts „The Crew“ an entscheidenden Stellen etliche Schnitzer. Manchmal fühlt es sich an als wolle das Spiel seinen Piloten nicht unterhalten, sondern ärgern.

Schnittige Autos, viel Tuning und immer wieder Cops im Nacken: ein neues „Need for Speed“? Nein. „The Crew“ thematisiert zwar ebenfalls illegale Straßenrennen, setzt aber andere Schwerpunkte. Dreh- und Angelpunkt sind die USA als offene Welt. Die Fläche zwischen Kanada und Mexiko, Ost- und Westküste wird zwar nicht maßstabsgetreu wiedergegeben. Wer die Staaten bereits bereist hat, wird die zwölf Metropolen und markanten Landschaften dennoch als deutlich wiedererkennbar erleben. Von Beginn sind sämtliche Areale erreichbar. Der Spieler wählt seinen Weg selbst. Wer Äcker dem Asphalt vorzieht, startet die Sightseeing-Tour eben querfeldein. Mindestens eine Stunde dauert die Fahrt von New York City nach San Francisco. Auf Wunsch stehen ausreichend Flughäfen, Züge und Schnellstart-Optionen als Abkürzung parat.

"The Crew" versteht sich als Arcaderacer, der hauptsächlich von seiner offenen Welt und der sozialen Komponente lebt. Steuerung, Fahrphysik und Schwierigkeitsgrad sind allerdings nicht überzeugend ausbalanciert. (Foto: myself)

„The Crew“ versteht sich als Arcaderacer, der hauptsächlich von seiner offenen Welt und der sozialen Komponente lebt. Steuerung, Fahrphysik und Schwierigkeitsgrad sind allerdings nicht überzeugend ausbalanciert. (Foto: myself)

Das Spiel kombiniert Single- und Multiplayer-Modus in einer gemeinsamen Welt. Soll heißen: Man trifft ständig Online-Mitspieler, kann sie anquatschen und in sein Team aufnehmen. Wer möchte bildet auf diese Weise eine bis zu vier Kopf umfassende „Crew“, was im Übrigen den Spieletitel erklärt. Die Wettwerbe der Kampagne sind für Singleplayer und Zweispieler-Koop ausgelegt. Größere Crews messen sich in separaten Herausforderungen.

Eine Weltkarte zeigt wo etwas zu los ist. Viel ist das zu Beginn nicht. Die meisten Autosalons, Garagen, Tuningwerkstätten und Wettbewerbe werden erst im Rahmen der Kampagne freigeschaltet, also durch Siege. Die Herausforderungen sind in eine Rahmenhandlung eingebunden: Ein tuningverrückter Raser namens Alex gerät in die Fänge des FBI und soll fortan undercover mehrere Bosse einer Schmugglergang ausschalten. Per Sprechfunk melden sich Einsatzleiterin und Gegner zu Wort, gelegentlich huschen die beteiligten Figuren per Videoschnippsel durch das Bild. Die Erzählung erinnert an die „Fast & Furious“-Streifen, ihr fehlt es jedoch an Persönlichkeit und Menschlichkeit. Schwamm drüber.

Grundsätzlich bürgt die offene Welt für ein großartiges Unterhaltungsprogramm. Leidet leistet sich „The Crew“ Fehler, die einem modernen Rennspiel nicht gutstehen: Schwierigkeitsgrad, Steuerung und andere Elemente sind schlampig ausbalanciert. Viele Wettbewerbe machen zwar Spaß. Doch dazwischen lauern unausweiliche Herausforderungen, die Nerven aus Drahtseilen voraussetzen. Zu oft hängt es vom Zufall ab, ob Sieg oder Fluchtfahrt gelingen. Beispielsweise spielt computergesteuerter Gegenverkehr oft das Zünglein an der Waage. Wenn hinter einer Kuppe oder einer blinden 90-Grad-Kurve ein Lastkraftwagen dahinschleicht, umzacken Computergegner das plötzliche Hindernis wie ein Feldhase – selbst mit einem fetten Pickup-Truck. Der eigene Sportwagen dagegen: Gönnt sich sogar nach Fahrwerkstuning einen Wimpernschlag, bevor er auf Lenkeinschlag reagiert und um die Ecke zu schaukeln beginnt. Mensch und Computergegner kämpfen also mit ungleichen Waffen. Generell mag man sich auf die Fahrphysik nicht gerne verlassen. Sie wirkt zu unberechenbar.

Das Bild mag dunkel und wenig sehenswert sein. Dafür fährt vor mir ein Focus RS. Das steigert die Attraktivität um den Faktor hundertunddrei mindestens. (Foto: myself)

Das Bild mag dunkel und wenig sehenswert sein. Dafür fährt vor mir ein Focus RS. Das steigert die Attraktivität um den Faktor hundertunddrei mindestens. (Foto: myself)

Was wir mögen
Die offene Welt lädt zu Spazierfahrten ein. Die Struktur von New York City, Las Vegas, Seattle, Miami und acht weiteren Metropolen ist wiedererkennbar, das Gelände dazwischen frei befahrbar und erlebenswert: Nachbauten von Rennstrecken und Naturwundern wie dem Grand Canyon warten auf Entdeckung. Tag- und Nachtwechsel malen eine zauberhafte Lichtstimmung.

Was wir nicht mögen

Eine Wettersimulation fehlt, das Schadensmodell ist rein kosmetisch. Die Onlinekomponente ist nicht plattformübergreifend spielbar. Das Spiel setzt eine zuverlässige Onlineverbindung und funktionsfähige Server voraus. Sobald das Internet ausfällt verweigert „The Crew“ den Start oder kehrt aus einer laufenden Partie ins Titelbild zurück – was im Test einige Male passiert ist. Entgegen der Herstellerangabe kommt es zwischen den Rennen, bei Neustarts und bei Kamerafahrten nach Crashszenen zu kurzen, in der Summe lästigen Ladepausen.

Das Spiel bildet Teile der USA nach, vom hohen Norden bis in den Süden, von Ost nach West. Das Gelände zwischen den zwölf Metropolen ist frei befahrbar. Wer Acker dem Asphalt vorzieht, kann querfeldein fahren. (Foto: myself)

Das Spiel bildet Teile der USA nach, vom hohen Norden bis in den Süden, von Ost nach West. Das Gelände zwischen den zwölf Metropolen ist frei befahrbar. Wer Acker dem Asphalt vorzieht, kann querfeldein fahren. (Foto: myself)

Fazit
Als Einzelkämpfer oder mit Onlinefreunden die illegale Straßenszene aufmischen, sich in abwechslungsreichen Wettbewerben mit anderen Crews messen und einander unterstützen: Das kann unterhaltsam sein. Durch unfair ausbalancierte Wettbewerbe, schwammige Steuerung und viele Detailmängel fährt „The Crew“ aber an den Bedürfnissen von Motorsportliebhabern vorbei. Wer vorrangig die sozialen Komponenten auskosten, gemeinsam mit Kumpels die Reize der USA erkunden und gelegentlich Wettfahrten abhalten möchte, wird sich gut unterhalten fühlen.



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