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Tausend schöne Tode: Bloodborne im Test

24. März 2015 Keine Kommentare

 

 

Es soll ja Menschen geben, die quälen sich gerne. Auch beim Gaming. Beißen sich durch chaotische Angreiferformationen. Lernen tausende Taktiken auswendig.

Was erwarten wir von einer Exklusivproduktion für PS4? Steile Grafik natürlich! (Quelle: Sony)

Was erwarten wir von einer Exklusivproduktion für PS4? Steile Grafik natürlich! (Quelle: Sony)

Sollen Sie gerne tun. Ich braucht das nicht. Eigentlich. Bin ein typischer Stier. Mach´s mir gern bequem. Brauche regelmäßige Erfolgserlebnisse. Habe mich trotzdem in „Bloodborne“ verknallt. Das Actionrollenspiel der Schöpfer von „Demon´s Souls“  ist schwer. B.O.C.K. schwer. Außerdem gemein, gnadenlos und sicher nicht fehlerfrei. Warum ich´s trotzdem grenzgenial finde, steht in meinem Test für T-Online Spiele nachzulesen. Es folgen ein paar stark gekürzte Auszüge.

 

Schöner hat Frust nie ausgesehen: Wer herrliche Bilder mag und keine Scheu vor einem beinharten Schwierigkeitsgrad hat, wird viele Abende mit From Softwares Action-Rollenspiel „Bloodborne“ verbringen. In ihrem neuen Fantasy-Gemetzel bleiben die Schöpfer von „Dark Souls“ ihrer Linie treu. Düstere Stimmung, anspruchsvolle Kampfszenen und ein Alptraum von einem Schwierigkeitsgrad vermengen sich zu einem bockschweren Gesamtkunstwerk, das auf absurde Weise extrem motiviert.

Bloodborne-pic2

Das Design der Kreaturen und Kulissen ist From Software ausgezeichnet gelungen. (Quelle: Sony)

Die aufwendige Heldengeburt deutet an, dass „Bloodborne“ kein simpler Third-Person-Slasher sein möchte. Neun Basischaraktere stehen zur Wahl. Wer sich´s Leben ordentlich schwer machen will, wählt den Nichtsnutz. Er kann weder bei Stärke noch Geschick oder arkanen Talenten ordentlich punkten und muss von Beginn an tüchtig aufgelevelt werden. Danach bestimmt der Betrachter das Aussehen des Körpers, von Narben und Brille, die Form von Stirn, des Kiefers und einiges mehr. Abschließend noch die Heldentaufe, dann beginnt es.

Im Vergleich mit ähnlich gearteten Actiongames zeigt sich „Bloodborne“ sehr taktisch geprägt. Unüberlegte Handlungen enden fast immer tödlich. Nur kluge Beobachter, die eine Situation erst sichten, Schlüsse ziehen und dann aktiv werden, haben eine Überlebenschance.

Doch wehe, man glaubt sich einem Etappensieg nahe. Selbst wenn man schon den nächsten Rücksetzpunkt vor sich sieht – kawumm, kommt ein zwei Stockwerke großer Hünne anmarschiert und drischt einem seine XXL-Säge in den Körper. Solche Momente können einem Tränen der Verzweiflung die Augen treiben. Denn der Verlust nach einem Heldentod schmerzt sehr. Verbrauchte Heilimpfungen, Brandsätze, Geld und ähnliche Mittel – alles ist weg, außerdem etliche Meter an Fortschritt verloren. Die Monster jedoch, die sind nach der Rückkehr ins Gebiet alle wieder da. Frust hoch drei!

Mit welchem Trick motiviert „Bloodborne“ über so lange Zeit? Der Schlüssel ist die schlüssige Verzahnung der dynamischen Kämpfe mit der Rollenspielmechanik: Nach jedem Heldentod keimt die Hoffnung, dass es beim nächsten Versuch mit etwas besseren Beinschienen oder einer optimierten Anpirschmethode klappen könnte. Manchmal gelingt´s – und schon hängt man Haken, genau wie bei den Action-Rollenspielen „Demon´s Souls“ und „Dark Souls“ vom selben Entwickler. Nur fühlt sich „Bloodborne“ im Vergleich etwas schneller und flinker an. Schwer aber schaffbar, sogar für Genreeinsteiger – sofern sie genug Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen mitbringen. Bedienung und Steuerung sind gut kapierbar. Viele Bedien-, Kampf- und Lösungstipps leisten jenen Unterstützung, die sie suchen. Sie sind als Schautafeln im Boden vergraben und tauchen nur auf, wenn man sie aktiviert.

Aber manchmal sieht das Spiel eben auch so aus: Ungeschönter Blick ins Gesicht des Helden (Quelle: Richard Löwenstein)

Aber manchmal sieht das Spiel eben auch so aus: Ungeschönter Blick ins Gesicht des Helden (Quelle: Richard Löwenstein)

Was wir mögen

Das Gameplay zielt in erster Linie auf Einzelkämpfer ab. Trotzdem gibt es sinnvolle Online-Komponenten. Beispielsweise kann man im asynchronen Multiplayer-Modus Notizen in den Kulissen hinterlassen, die Online-Mitspieler dann im Rahmen ihrer eigenen Singleplayer-Kampagne entdecken. Können zum Beispiel Tipps sein. Man darf außerdem Online-Mitspieler zu Hilfe rufen und Koop-Teams bilden, beispielsweise wenn ein Bosskampf allzu hart gerät. Die entsprechenden Modi sind allerdings zu Beginn gesperrt und müssen erst freispielt werden.

 

Was wir nicht mögen

Einige Figuren sind den Gestaltern nicht überzeugend geglückt. Die Augen des Helden wirken wie tot, seine Körperhaltung sieht manchmal ungelenk aus. Die Eindeutschung fängt die viktorianische Atmosphäre nicht ein. Schalter heißen „Gerät“. Und soll der Held ein Licht entfachen, dann empfiehlt das Spiel man solle „eine Lampe anmachen“. Ladeunterbrechungen von über einer Minute nach dem Heldentod bremsen den Spielfluss aus.

Per Motion Blur maskiert das Spiel seine suboptimale Bildwiederholrate von 25 bis 30 fps. Die Screenshots des Herstellers zeigen das nicht, keine Spur davon. (Quelle: Richard Löwenstein)

Per Motion Blur maskiert das Spiel seine suboptimale Bildwiederholrate von 25 bis 30 fps. Die Screenshots des Herstellers zeigen das nicht, keine Spur davon. (Quelle: Richard Löwenstein)

 

Fazit

Im Vergleich mit den ähnlich aromatisierten Action-Rollenspielen „Dragon Age“ und „The Order 1886″ wirkt „Bloodborne“ wie ein schwerer Tritt in den Magen. Der extrem hohe Schwierigkeitsgrad fühlt sich an, als folgten auf jedem Schritt vorwärts sofort zwei Schritte zurück. Jeder einzelne Erfolg ist hart erkämpft und kostet viele tausende Nervenzellen das Leben. Die hervorragenden Soundeffekte tun das ihre dazu, dass man etappenweise ernsthaft Furcht in sich spürt – Angst vor dem nächsten Heldentod und davor, die mühsam erarbeiteten Fortschritte wieder zu verlieren. Eine etwas gemeine Methode zur Erzeugung von Spannung. Dafür eine sehr wirkungsvolle!

SEHR GUT

 

P.S.: Die Screenshots des Herstellers scheinen mir doch allzu heftig geschönt. Sie zeigen Details in einer Brillanz und Schärfe, die ich so im Spiel nicht entdecken konnte. Außerdem habe ich bei der Produktion eigener Screenshots kaum ein Exemplar hinbekommen, bei dem das komplette Bild oder Bildteile nicht durch Motion Blur verzerrt wurde. Angesichts der Framerate von 25 bis 30 fps ist Blurring sicher ein probates Mittel, um dem Betrachter dennoch einen flüssigen Bildaufbau vorzutäuschen. Aber die Herstellershots sollte das halt zumindest andeuten, wenn sie  auf derselben Hardware entstanden sind.



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